Veranstaltungsdaten
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Kunst der Augentäuschung
DozentIn:
Prof. Dr. phil. Uta Schedler
Veranstaltungstyp:
Proseminar (Offizielle Lehrveranstaltungen)
Beschreibung:
Universität Osnabrück / Fachbereich 1 / Kunsthistorisches Institut / Wintersemester 2018/19 / Prof. Dr. Uta Schedler
Suggestion des Echten. Die Kunst der Augentäuschungen (Trompe-l´oeil)
(GM A, B, Walpflichtbereich, 3. Schritt von 4 Schritte +)
Zeit: Mittwoch, 8-10 Uhr, mit Blocksitzungen vom 8.-10.02.2019. Gebäude 41 / Raum 111. Beginn: 24. Oktober 2018

Seminarplan und Referatsthemen:

24.10.2011: Einführung I und Referatsvergabe
07.11.2011: Einführung II
14.11.2018: Einführung III

Blocksitzungen: Freitag, 08.02.2018 (14-18 Uhr), Samstag, 09.02., und Sonntag, 10.02. (jeweils 9-116 Uhr). Der Raum wird noch bekannt gegeben.

Referatsliste:
1. Negation von Raumgrenzen I:
Andrea Mantegna: Die Camera degli Sposi im Palazzo Ducale in Mantua, 1465-74 (Literaturhinweis: De Nicolo, Alberta u. a., Mantegna, Köln 2004; Signorini, Rodolfo, The most beautiful room in the world …., Mantua 1998; Röttgen, Steffi, Wandmalerei der Frührenaissance in Italien … I, München 1996)
2. Negation von Raumgrenzen II:
Baldassare Peruzzis Perspektivensaal in der Villa Farnesina in Rom, um 1515, und Paolo Veronese in der Villa Barbaro in Maser, um 1566 (Literaturhinweis: Frommel, Christoph L. u. a., Baldassare Peruzzi 1481-1536, Venice 2005; Ders., Baldassare Peruzzi als Maler und Zeichner, Wien 1968; Hans D. Huber, Paolo Veronese – Kunst als soziales System, München 2005, sowie Palladio-Literatur)
3. Negation von Raumgrenzen III:
Andrea Pozzos Scheinarchitekturen in Sant´Ignazio in Rom (1691-1694) und der Jesuitenkirche in Wien (1703-1707) – (Literaturhinweis: Kerber, Bernhard, Andrea Pozzo, Berlin 1971; Knall-Brskovsky, U., Andrea Pozzos Ausstattung der Jesuitenkirche in Wien, in: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 40, 1987, S. 159-174; Lorenz, Hellmut, Geschichte der bildenden Kunst, Bd. IV Barock, Wien 1999)
4. Doppelte Täuschung mit schlimmen Folgen I:
Paolo Veronese, „Das letzte Abendmahl“ respektive „Das Gastmahl im Hause des Levi“, 1573 (Literaturhinweis: Hans D. Huber, Paolo Veronese – Kunst als soziales System, München 2005; Veronese, Paolo, u. a., Paolo Veronese, Fortuna Critica und künstlerisches Nachleben, Sigmaringen 1990)
5. Doppelte Täuschung mit schlimmen Folgen II:
Wundermaler – Scharlatane? Johannes Torrentius (Johannes van der Beeck) und die camera obscura / die Perspektivkästen von Carel Fabritius und Samuel van Hoogstraten (Literaturhinweis: Schütz 2009; Westheider 2010; Seelig, Gero, Hg., Carel Fabritius (1622-1654). Das Werk, Zwolle 2004; Carel Fabritius (1622-1654), Ausstellungskatalog Staatliches Museum Schwerin, Schwerin 2005; Brusati, Celeste, Artifice and Illusion: the art and writing of Samuel van Hoogstraten, Chikago 1995; Czech, Hans-Jörg, Im Geleit der Musen. Studien zu Samuel van Hoogstratens Malereitraktat …, Münster 2002)
6. Wider die Natur I: Arcimboldes Elemente und Jahreszeiten (Literaturhinweis: Ferino-Pagden, Sylvia, Hg., Arcimboldo (1526-1593), Ausstellungskatalog des Kunsthistorischen Museums, Wien 2008)
7. Wider die Natur II: Bernard Palissy - Naturabgüsse (Literaturhinweis: Klier, Andrea, Fixierte Natur. Naturabguss und Effigies im 16. Jahrhundert, Berlin 2004)
8. Das Bild als Objekt (Chantourné) und die Bild-im-Bild-im-Bild-Thematik – Cornelis Norbertus Gijsbrechts: Staffelei mit Früchtestillleben, um 1670. Antoine Fort-Bras (Antonio Forbera): Staffeleibild, um 1686. Cornelis Norbertus Gijsbrechts: Stillleben mit Totenschädel, ohne Datum; Trompe-l´oeil-Nische, 1669, Trompe-l´oeil von einem Trompe-l´oeil; Ausschnitt des Künstlerateliers mit Vanitas-Darstellung, 1668 (Literaturhinweis: Milman 1984; Hollmann/Tesch 2004; Westhaider 2010; Kopenhagen 1999)
9. Warum immer nur tote Vögel? Jagdtrophäen und Jagdutensilien: Drei tote Vögel mit einer Schnur an einen Nagel aufgehängt, Römisch. Jacopo de Barbari: Rebhuhn mit Armbrustbolzen und Eisenhandschuhen, 1504. Lucas Cranach: Vier tote Rebühner, um 1530/32. Cornelis Brisé: Geräte für die Falkenjagd. Melchior d´Hondecoeter: Krammetsvögel (Literaturhinweis: Heine, Florian, Das erste Mal. Wie Neues in die Kunst kam, München 2007; Schade, Werner, Malerfamilie Cranach, Dresden 1974; Lucas Cranach. Ein Maler-Unternehmer aus Franken, Ausstellungskatalog Landesausstellung in der Festung Rosenberg, Kronach 1994; Niederlande von 1550 bis 1800, Bestandskatalog der Gemäldegalerie, Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen 2006; Kopenhagen 1999;Van der Willigen, Adriaan, Meijer, Fred G., A Dictionary of Dutch and Flemish Still-Life Painters Working in Oils, Leiden 2003; Washington 2002, Florenz 2009)
10. Kunst- und Kuriositätenkabinette:
Georg Hinz (Hainz): Kuriositäten-Kabinettschrank, nach 1666. Cornelis Norbertus Gijsbrechts: Trompe-l´oeil eines geöffneten Kunstkammerschranks mit Herkulesgruppe, 1670. Franciscus Gijsbrechts: Trompe-l´oeil eines geöffneten Wandschranks, ohne Datum (Literaturhinweis: Bastian, Karin, Georg Hinz und sein Stilllebenwerk, Hamburg 1984; Kopenhagen 1999, Washington 2002, Westheider 2010)

Kommentar:
Seit der Antike haben es Künstler darauf angelegt, mit Bildern die Augen der Betrachter zu täuschen. In der Kunstgeschichte ist für solche Bilder der Begriff Trompe-l´oeil (französisch: „täusche das Auge“) eingeführt worden. Selbst Zeuxis von Herakleia, einer der berühmtesten Maler des antiken Griechenland, ging einem Kollegen, Parrhasios, auf den Leim, als er diesen aufforderte, er möge doch den Schleier von seinem Bild beiseite schieben, damit er, Zeuxis, die Malerei dahinter besser betrachten könne. Indes – Parrhasios hatte den Schleier gemalt. Im Seminar werden verschiedene solcher Täuschungsmanöver untersucht. So werden Figuren in Graumalerei gezeigt, die vorgeben Skulpturen zu sein, oder Intarsien, die verschiedene Gerätschaften vorgaukeln. Künstler versuchten auch Raumgrenzen zu durchbrechen, indem sie die Landschaft in den Raum holten, über ihm den Himmel wölbten oder Architektur in den Himmel wachsen ließen. Bisweilen bedienten sie sich Hilfsmittel wie camera obscura und Perspektivkästen oder leugneten die Geschichtlichkeit biblischer Szenen. Im 16. Jahrhundert wurde die Verkünstlichung von Natur auf die Spitze getrieben in Form von Naturabgüssen oder in Köpfen aus Gemüse und Obst. Blütezeit des Trompe-l´oeil war das 17. Jahrhundert, als sämtliche Register gezogen wurden, indem das Bild und sogar das Trompe-l´oeil selbst zum Objekt wurde. Beliebt war darüber hinaus die Verbildlichung von Kunst- und Kuriositätenschränken, deren Inhalt per se bereits künstlich oder kurios war. Zugleich schätzte man aber auch das Gegenteil – die Verkünstlichung von Alltäglichem in den Sammelsurien der Quodlibets (lateinisch: „was beliebt“).

Literaturhinweise (siehe auch den Semesterapparat in der UB):

Ausstellungskatalog, Illusions. Gijsbrechts. Royal Master of Deception, Statens Museum for
Kunst, Koppenhagen 1999
Ausstellungskatalog, Painted Illusions. The Art of Cornelius Gijsbrechts, National Gallery,
London 2000
Ausstellungskatalog, Deceptions and Illusions: Five centuries of Trompe-l´Oeil Painting,
National Gallery of Art, Washington 2002
Ausstellungskatalog, The Eye Deceiced. Painted Illusions by Cornelius Gijsbrechts,
Mauritshuis, Den Haag 2005
Austellungskatalog „Inganni ad arte. Meraviglie del trompe-l´oeil dall´antichità al
contemporaneo, Palazzo Strozzi, Florenz 2009 (englische Ausgabe: Art and Illusions:
masterpieces of Trompe l´oeil from antiquity to the present day)
D´Otrange Mastai, Marie-Louise, Illusion in art: trompe-l’oeil, a history of pictorial illusionism, New York 1975
Hollmann, Eckhard, Tesch, Jürgen, Die Kunst der Augentäuschung, München u. a. 2004/2010
Kersting, Hannelore, Trompe-l’oeil. Die Relation von Bild und Gegenstand, Bochum 1979
Milman, Miriam, Das Trompe-l´oeil, Genf 1984
Milman, Miriam, Das Trompe-l’oeil. Gemalte Architektur, Genf 1986
Schütz, Karl, Das Interieur in der Malerei, München 2009
Schwertfeger, Susanne, Das niederländische Trompe-l´oeil im 17. Jahrhundert. Studien zu
Motivation und Ausdruck, Dissertation Kiel 2005 (im Netz)
Seckel, Al, Große Meister der optischen Illusionen, Wien 2007
Stoichita, Victor I., Das selbstbewusste Bild. Vom Ursprung der Metamalerei, München 1998
Westheider, Ortrud / Philipp, Michael, Hg., Täuschend echt. Illusion und Wirklichkeit in der
Kunst. Ausstellung Hamburg Bucerius Kunstforum, München 2010
Ort:
41/111
Zeiten:
Mi. 08:00 - 10:00 (wöchentlich)
Erster Termin:Mi , 24.10.2018 08:00 - 10:00, Ort: 41/111
Veranstaltungsnummer:
2.372
Bereichseinordnung:
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