Veranstaltungsdaten
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Satire in der abedländischen Kunst
DozentIn:
Prof. Dr. phil. Uta Schedler
Veranstaltungstyp:
Vorlesung (Offizielle Lehrveranstaltungen)
Beschreibung:
Universität Osnabrück / Fachbereich 1 / Kunsthistorisches Institut / WS 2018/19 / Prof. Dr. Uta Schedler / Die Satire in der abendländischen Kunst
(Vorlesung)
Zeit: Montag, 18-20 Uhr
Ort: Gebäude 41 / Raum 111
Beginn: 22.10.2018

Kommentar:

In bildliche Form gebrachte Satiren, also Karikaturen, die ungeniert parteiisch Menschen oder gesellschaftliche Zustände mit mehr oder weniger ausgeprägter politischer Aussage auf die Schippe nehmen, gab es schon in der Antike und sie erlebten seit der frühen Neuzeit mehrfach Blütezeiten. Immer dann, wenn sich Parteien besonders unerbittlich gegenüber standen, wie in Folge der Reformation Protestanten versus Katholiken, wurde der jeweilige Gegner, bevorzugt auf Flugblättern, mit zunehmender Schärfe karikiert. Die Karikaturisten blieben allerdings – vornehmlich aus Sicherheitsgründen – oftmals anonym. Aber auch herausragende Künstler wie Leonardo oder Dürer hinterließen groteske Überzeichnungen von Personen, wobei der Rezipientenkreis – im Unterschied zu den Flugblättern – indessen vermutlich sehr klein war. In Italien blieb die Porträtkarikatur auch im 16. und 17. Jahrhundert vorrangig (etwa bei den Brüdern Caracci oder Giovanni Lorenzo Bernini), während im calvinistischen Holland moralisierend-satirische szenische Darstellungen immer beliebter wurden. Ein wichtiger Schritt in der Geschichte der Karikatur wurde in England vollzogen, als im 18. Jahrhundert die Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen zunehmend bildlich zum Ausdruck gebracht wurde – die „Modernen Lebensbilder“ William Hogarths waren hierfür Meilensteine. Im 19. Jahrhundert, als die Karikatur fast zur Alltäglichkeit wurde, spezifizierte sich die Gesellschaftskritik, und nicht nur Zustände, sondern auch einzelne Schichten wie das sprichwörtliche Spießbürgertum wurden bildlich an den Pranger gestellt. Honoré Daumier oder J. J. Grandville (eigentlich Jean Ignace Isidore Gérard) stehen für diese Entwicklung, die zudem zur Etablierung genuiner Satirezeitschriften wie dem Punch in London, den Fliegenden Blättern in München oder dem Kladderadatsch in Berlin führte.
In der Vorlesung wird der historischen Entwicklung der einzelnen Karikaturtypen ebenso wie der Frage nach Resonanz nachgegangen. Auch die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe als Auslöser für Karikaturen werden beleuchtet, und nicht zuletzt soll die Karikatur auch in der Geschichte der Kunst positioniert werden.

Einführende Literatur:

Werner Hofmann, Karikatur von Leonardo bis Picasso, Hamburg 2007
Veröffentlichungen des Wilhelm-Busch-Museum Hannover, Deutsches Museum für Karikatur und kritische Grafik
Dietrich Grünewald (Hg.), Politische Karikatur, Weimar 2002
J. J. Grandville, Karikatur und Zeichnung, Ausstellung Kunsthalle Karlsruhe, Ostfildern-Ruit 2000
Angelika Plum, Die Karikatur im Spannungsfeld zwischen Kunstgeschichte und Politikwissenschaft, Aachen 1998
Carsten Jöhnk, Die Bedeutung der Physiognomik für die englische Karikatur um 1800, Göttingen 1998 (im Netz)
Walther Fekl (Hg.), Tyrannie, dictature et caricature, Brest 1997
Anette Wohlgemuth, Honoré Daumier. Kunst im Spiegel der Karikatur, Frankfurt a. M. u. a. 1996
Michaele Siebe, Von der Revolution zum nationalen Feindbild: Frankreich und Deutschland in der politischen Satire des 19. Jahrhunderts. „Kladderadatsch“ und „Charivari“, Münster u. a. 1995
Hubertus Fischer, Wer löscht das Licht? Europäische Karikatur und Alltagswelt 1790 – 1990, Stuttgart 1994
Walter Koschatzky, Karikatur & Satire: fünf Jahrhunderte Zeitkritik, München 1992
Jürgen Döring, Eine Kunstgeschichte der frühen englischen Karikatur, Hildesheim 1991
Severin Heinisch, Die Karikatur: Über das Irrationale im Zeitalter der Vernunft, Wien u. a. 1988
Michael Klant, Die Universität in der Karikatur, Hannover 1984
Friedrich Bohne, Der Deutsche in seiner Karikatur, Stuttgart 1964
Theodor Heuss, Zur Ästhetik der Karikatur, Stuttgart 1954
Eduard Fuchs, Die Karikatur der europäischen Völker, 2 Bde., München 1921
Ort:
41/111
Zeiten:
Mo. 18:00 - 20:00 (wöchentlich)
Erster Termin:Mo , 22.10.2018 18:00 - 20:00, Ort: 41/111
Veranstaltungsnummer:
2.370
Bereichseinordnung:
Veranstaltungen > Kunstgeschichte > Veranstaltungen
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